Spanngurt: Bedeutung, Kennzeichnung & Anwendung
Ein Spanngurt ist nur dann ein wirksames Sicherungsmittel, wenn Auswahl, Kennzeichnung, Zurrart und Zustand zur Ladung passen. Die auf dem Etikett angegebenen Werte dürfen nicht verwechselt oder pauschal auf jede Anwendung übertragen werden.
Ein Spanngurt ist ein textiles Zurrmittel aus Gurtband, das mit Ratsche oder Klemmschloss gespannt wird. Er dient zur Ladungssicherung, indem er die Reibung erhöht oder eine Ladung direkt gegen Bewegungen in bestimmte Richtungen hält.
Niederzurren oder Direktzurren?
| Zurrart | Wirkprinzip | Wichtiger Kennwert |
|---|---|---|
| Niederzurren | Der Gurt presst die Ladung auf die Ladefläche und erhöht dadurch die Reibung. | STF, Reibbeiwert und Zurrwinkel |
| Direktzurren | Der Gurt hält die Ladung unmittelbar gegen Bewegung, etwa diagonal oder als Schlinge. | LC, Winkel und Geometrie |
Beim Niederzurren ist nicht die aufgedruckte LC automatisch die wirksame Vorspannkraft. Für die Berechnung zählt vor allem die STF. Antirutschmatten und günstige Winkel können den Sicherungsbedarf stark verändern. Die erforderliche Zahl der Gurte muss fachgerecht berechnet werden.
Was steht auf dem Gurtetikett?
- Hersteller oder Lieferant und Rückverfolgbarkeitscode,
- zulässige Zurrkraft LC,
- Vorspannkraft STF bei Ratschen,
- Gurtlänge und Werkstoff,
- Hinweis auf die zugrunde liegende Norm,
- Warnung, dass der Gurt nicht zum Heben verwendet werden darf.
Wann ist ein Spanngurt ablegereif?
Gurte mit fehlendem oder unlesbarem Etikett, Einschnitten, Garnbrüchen, starken Scheuerstellen, chemischen Schäden, Verformungen durch Hitze oder beschädigten Nähten dürfen nicht weiterverwendet werden. Ratschen und Haken sind auf Risse, Korrosion, Aufweitung und Funktionsstörungen zu prüfen. Knoten sind unzulässig, weil sie die Festigkeit unkontrolliert reduzieren.
Praxisbeispiel
Checkliste für die Anwendung
- Ladungsgewicht, Schwerpunkt und Sicherungsrichtung bestimmen.
- Nur Gurte mit lesbarem Etikett und ausreichenden Kennwerten wählen.
- Zurrpunkte auf zulässige Belastung prüfen.
- Scharfe Kanten mit geeigneten Kantenschützern sichern.
- Gurte nicht verdrehen, knoten oder überlasten.
- Berechnete Vorspannung gleichmäßig aufbringen und während der Fahrt kontrollieren.
- Nicht benötigte Bandenden und Ratschen gegen Schlagen sichern.
Wer ist verantwortlich?
§ 22 StVO verlangt, dass Ladung und Sicherungsmittel selbst bei Vollbremsung oder plötzlichem Ausweichen nicht verrutschen, umfallen, rollen oder herabfallen. Zusätzlich treffen Verlader, Fahrzeugführer und Halter je nach Tätigkeit eigene Verantwortungsbereiche. Eine fachkundige Planung kann nicht durch eine pauschale Zahl von Gurten ersetzt werden.
Häufige Fragen
Wie viele Spanngurte werden benötigt?
Das lässt sich ohne Gewicht, Reibung, Winkel, Zurrart, STF/LC und Fahrzeugdaten nicht seriös beantworten. Die Sicherung ist zu berechnen.
Darf ein Gurt über eine scharfe Kante laufen?
Nur mit geeignetem Kantenschutz und wenn Herstellerangaben sowie Biegeradius eingehalten werden. Sonst kann das Gurtband schon bei geringer Bewegung beschädigt werden.