Spanngurt: Bedeutung, Kennzeichnung & Anwendung

Fachlich geprüft: 9. August 2026

Ein Spanngurt ist nur dann ein wirksames Sicherungsmittel, wenn Auswahl, Kennzeichnung, Zurrart und Zustand zur Ladung passen. Die auf dem Etikett angegebenen Werte dürfen nicht verwechselt oder pauschal auf jede Anwendung übertragen werden.

Kurzdefinition

Ein Spanngurt ist ein textiles Zurrmittel aus Gurtband, das mit Ratsche oder Klemmschloss gespannt wird. Er dient zur Ladungssicherung, indem er die Reibung erhöht oder eine Ladung direkt gegen Bewegungen in bestimmte Richtungen hält.

LCLashing Capacity – zulässige Zurrkraft im geraden Zug
STFStandard Tension Force – erreichbare Vorspannkraft
SHFStandard Hand Force – genormte Handkraft am Spannelement
NormFür textile Zurrgurte regelmäßig DIN EN 12195-2

Niederzurren oder Direktzurren?

Zurrart Wirkprinzip Wichtiger Kennwert
Niederzurren Der Gurt presst die Ladung auf die Ladefläche und erhöht dadurch die Reibung. STF, Reibbeiwert und Zurrwinkel
Direktzurren Der Gurt hält die Ladung unmittelbar gegen Bewegung, etwa diagonal oder als Schlinge. LC, Winkel und Geometrie

Beim Niederzurren ist nicht die aufgedruckte LC automatisch die wirksame Vorspannkraft. Für die Berechnung zählt vor allem die STF. Antirutschmatten und günstige Winkel können den Sicherungsbedarf stark verändern. Die erforderliche Zahl der Gurte muss fachgerecht berechnet werden.

Was steht auf dem Gurtetikett?

  • Hersteller oder Lieferant und Rückverfolgbarkeitscode,
  • zulässige Zurrkraft LC,
  • Vorspannkraft STF bei Ratschen,
  • Gurtlänge und Werkstoff,
  • Hinweis auf die zugrunde liegende Norm,
  • Warnung, dass der Gurt nicht zum Heben verwendet werden darf.
Merksatz: Zurrgurte sichern Ladung; sie sind keine Hebegurte. Ein Spanngurt darf nicht zum Anschlagen oder Anheben einer Last benutzt werden.

Wann ist ein Spanngurt ablegereif?

Gurte mit fehlendem oder unlesbarem Etikett, Einschnitten, Garnbrüchen, starken Scheuerstellen, chemischen Schäden, Verformungen durch Hitze oder beschädigten Nähten dürfen nicht weiterverwendet werden. Ratschen und Haken sind auf Risse, Korrosion, Aufweitung und Funktionsstörungen zu prüfen. Knoten sind unzulässig, weil sie die Festigkeit unkontrolliert reduzieren.

Praxisbeispiel

Beispiel: Eine Maschine steht auf einer sauberen Ladefläche. Vor der Berechnung werden Gewicht, Schwerpunkt, Reibbeiwert und mögliche Bewegungsrichtungen ermittelt. Geeignete Zurrpunkte ermöglichen Direktzurren; Kantenschoner verhindern Schäden am Gurt. Nach kurzer Fahrstrecke wird kontrolliert, ob sich die Ladung gesetzt und die Spannung verändert hat.

Checkliste für die Anwendung

  1. Ladungsgewicht, Schwerpunkt und Sicherungsrichtung bestimmen.
  2. Nur Gurte mit lesbarem Etikett und ausreichenden Kennwerten wählen.
  3. Zurrpunkte auf zulässige Belastung prüfen.
  4. Scharfe Kanten mit geeigneten Kantenschützern sichern.
  5. Gurte nicht verdrehen, knoten oder überlasten.
  6. Berechnete Vorspannung gleichmäßig aufbringen und während der Fahrt kontrollieren.
  7. Nicht benötigte Bandenden und Ratschen gegen Schlagen sichern.

Wer ist verantwortlich?

§ 22 StVO verlangt, dass Ladung und Sicherungsmittel selbst bei Vollbremsung oder plötzlichem Ausweichen nicht verrutschen, umfallen, rollen oder herabfallen. Zusätzlich treffen Verlader, Fahrzeugführer und Halter je nach Tätigkeit eigene Verantwortungsbereiche. Eine fachkundige Planung kann nicht durch eine pauschale Zahl von Gurten ersetzt werden.

Häufige Fragen

Wie viele Spanngurte werden benötigt?

Das lässt sich ohne Gewicht, Reibung, Winkel, Zurrart, STF/LC und Fahrzeugdaten nicht seriös beantworten. Die Sicherung ist zu berechnen.

Darf ein Gurt über eine scharfe Kante laufen?

Nur mit geeignetem Kantenschutz und wenn Herstellerangaben sowie Biegeradius eingehalten werden. Sonst kann das Gurtband schon bei geringer Bewegung beschädigt werden.

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