KI-Agenten: Logistik bleibt skeptisch
Camunda hat mit dem „2026 State of Agentic Orchestration and Automation Report“ eine klare Botschaft an die Branche gesendet: Die Logistik nutzt KI-Agenten – aber sie vertraut ihnen noch nicht. Obwohl 74 Prozent der Transport- und Logistikunternehmen angeben, KI-Agenten einzusetzen, erreichen nur elf Prozent produktionsreife Anwendungen. Zwischen Vision und Realität klafft eine deutliche Lücke. Die Studie zeigt: Skepsis, fehlende Transparenz und Compliance-Sorgen bremsen die Entwicklung. Besonders häufig kommen Chatbots und Assistenzsysteme zum Einsatz – meist in nicht geschäftskritischen Bereichen.4
Das Wichtigste in Kürze
- 74 % der Logistikunternehmen nutzen KI-Agenten – aber nur 11 % erreichen Produktionsreife.
- 75 % sehen eine deutliche Diskrepanz zwischen KI-Zielbild und Realität.
- 72 % setzen KI vor allem in Chatbots und Assistenzsystemen ein.
- 79 % fürchten Geschäftsrisiken ohne ausreichende Kontrollmechanismen.
- 86 % halten ihre Prozesse noch nicht für reif genug für „Agentic Orchestration“.
Warum bleibt die Logistik skeptisch gegenüber KI-Agenten?
Weil trotz hoher Nutzungszahlen nur wenige Anwendungen produktionsreif sind und viele Unternehmen Transparenz-, Compliance- und Kontrollprobleme befürchten.
Anspruch und Realität: Die Zahlen hinter der Skepsis
Der Report von Camunda basiert auf 1.150 befragten Führungskräften aus Deutschland, USA, UK und Frankreich. 125 davon stammen aus Transport und Logistik. Die Ergebnisse zeigen einen klaren Widerspruch. 74 Prozent der Unternehmen geben an, KI-Agenten zu nutzen. Doch nur elf Prozent dieser Anwendungen waren im vergangenen Jahr produktionsreif. Gleichzeitig räumen 75 Prozent der Befragten ein, dass ihre KI-Zielbilder nicht mit der Realität übereinstimmen. 49 Prozent befürchten zudem, dass unkontrollierte Agenten bestehende Prozessprobleme verschärfen. Diese Zahlen belegen: Die Einführung erfolgt, aber sie bleibt vorsichtig und fragmentiert.
Zentrale Kennzahlen der Studie
| Kennzahl | Anteil |
|---|---|
| Nutzung von KI-Agenten | 74 % |
| Produktionsreife erreicht | 11 |
| Diskrepanz zwischen Zielbild und Realität | 75 % |
| Sorge vor Verschärfung schlechter Prozesse | 49 % |
Fehlendes Vertrauen als größtes Hindernis
Viele Unternehmen experimentieren mit KI-Agenten. Doch Vertrauen fehlt. 79 Prozent fürchten geschäftliche Risiken, wenn Kontrollmechanismen fehlen. 84 Prozent sehen mangelnde Transparenz bei der KI-Nutzung. 62 Prozent äußern Compliance-Bedenken. Diese Werte zeigen eine klare Tendenz. Unternehmen wollen Innovation, aber nicht auf Kosten der Sicherheit. Besonders in regulierten Branchen wie Transport und Logistik ist Governance entscheidend. Ohne klare Leitplanken bleibt der Einsatz begrenzt. Vertrauen wird somit zur zentralen Voraussetzung für Skalierung.
Vertrauensbarrieren im Überblick
| Risikoaspekt | Anteil |
|---|---|
| Fehlende Kontrollmechanismen | 79 % |
| Mangelnde Transparenz | 84 % |
| Compliance-Bedenken | 62 % |
Chatbots dominieren – aber selten geschäftskritisch
72 Prozent der Logistikunternehmen setzen KI-Agenten vor allem in Chatbots oder Assistenzsystemen ein. Diese Anwendungen gelten als wenig geschäftskritisch. Dadurch sinkt das Risiko. Gleichzeitig bleibt der strategische Nutzen begrenzt. 37 Prozent berichten, dass Agenten isoliert in Silos arbeiten. Sie sind nicht in End-to-End-Prozesse integriert. Das verhindert echte Prozessoptimierung. KI bleibt damit oft ein Co-Pilot statt ein zentraler Prozessbestandteil. Der Durchbruch in Kernprozessen steht noch aus.
Autonomiegrad: Mensch bleibt meist im Loop
Die Studie unterscheidet zwischen niedriger, mittlerer und hoher Autonomie. In der Logistik dominiert niedrige Autonomie. 63 Prozent nutzen Agenten im Back Office. 58 Prozent zur individuellen Produktivität. 54 Prozent in regulierten Kernprozessen. Dabei erfolgt stets menschliche Anleitung. Hohe Autonomie ist selten. Nur 14 Prozent setzen sie in Kernprozessen ein. 13 Prozent bei individueller Produktivität. Das zeigt: Der Mensch bleibt Kontrollinstanz. Vollautomatisierte Entscheidungen sind Ausnahme, nicht Regel.
Einsatzbereiche nach Autonomiegrad
| Bereich | Niedrige Autonomie | Hohe Autonomie |
|---|---|---|
| Back Office | 63 % | – |
| Individuelle Produktivität | 58 % | 13 % |
| Regulierte Kernprozesse | 54 % | 14 % |
Wachsende Endpunkt-Komplexität durch KI
Der Einsatz von KI-Agenten erhöht die Systemkomplexität. 77 Prozent berichten von exponentiellem Wachstum bei Volumen und Vielfalt der Endpunkte. Endpunkte umfassen Menschen, Systeme und Geräte. Dadurch steigen Schnittstellenanforderungen. 86 Prozent benötigen bessere Tools zur Prozesssteuerung. Ohne zentrale Steuerung entstehen Insellösungen. Die Integration wird zur strategischen Aufgabe. Komplexität wächst schneller als viele Unternehmen organisatorisch mithalten können.
Agentic Orchestration als strategischer Lösungsansatz
Camunda beschreibt „Agentic Orchestration“ als Verbindung deterministischer und dynamischer Prozesssteuerung. KI-Agenten fügen Prozessen logisches Reasoning hinzu. So können Abläufe in Echtzeit angepasst werden. 89 Prozent sehen die Notwendigkeit, KI prozessübergreifend zu orchestrieren. 90 Prozent fordern, KI wie jeden anderen Endpunkt zu behandeln, um Compliance sicherzustellen. Dennoch geben 86 Prozent an, noch nicht den nötigen Reifegrad erreicht zu haben. Die Vision ist klar. Die Umsetzung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.
Fazit: Zwischen Euphorie und Zurückhaltung
Die Logistikbranche steht an einem Wendepunkt. KI-Agenten werden breit getestet, aber selten produktiv skaliert. Vertrauen, Transparenz und Compliance entscheiden über den nächsten Entwicklungsschritt. Ohne klare Orchestrierung bleibt KI ein isoliertes Werkzeug. Mit strukturierter Integration kann sie jedoch zum strategischen Multiplikator werden. Die Frage ist nicht mehr, ob KI-Agenten kommen – sondern wie schnell Unternehmen den Sprung von Pilotprojekten zur echten Wertschöpfung schaffen.

Nico Nuss
Der Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit den Themen Mobile Computing und Automation Software. Auf Grund seiner Erfahrung und dem starken Interesse für Zukunftstechnologien gilt seine Aufmerksamkeit den Themen Robotik und AI.