Ladungssicherung: Verfahren, Verantwortung & Berechnung

Zuletzt fachlich geprüft: 9. August 2026

Ladungssicherung umfasst alle Maßnahmen, die Fahrzeug, Personen und Ware vor Bewegungen der Ladung schützen. Sie muss den Kräften standhalten, die insbesondere beim Bremsen, Ausweichen, Anfahren und in Kurven auftreten.

Definition: Ladungssicherung ist das beförderungs- und betriebssichere Verstauen, Stauen und Befestigen von Gütern einschließlich der verwendeten Sicherungsmittel. Sie besteht aus geeigneter Verpackung, Lastverteilung, Formschluss, Kraftschluss oder deren Kombination.
Grundformen
Formschluss und Kraftschluss
Rechtsgrundlagen
§ 22 StVO und § 412 HGB
Regelwerk
anerkannte Regeln der Technik

Formschlüssige und kraftschlüssige Sicherung

Verfahren Prinzip Beispiele
Formschluss Ladung kann sich wegen Begrenzungen nicht bewegen lückenloses Stauen, Stirnwand, Rungen, Sperrbalken
Kraftschluss Reibung wird durch Anpresskraft erhöht Niederzurren mit Zurrgurten
Direktzurren Zurrmittel nehmen Bewegungskräfte direkt auf Diagonal- oder Schrägzurren
Kombination mehrere Prinzipien wirken zusammen Antirutschmatten plus Zurrung und Ladelücke schließen

Welche Kräfte sind zu berücksichtigen?

Bei einer Vollbremsung will die Ladung aufgrund ihrer Trägheit weiter nach vorn bewegen. In Kurven wirken seitliche Kräfte, beim Anfahren Kräfte nach hinten. Die erforderliche Sicherung hängt von Masse, Reibbeiwert, Fahrzeug, Fahrtrichtung, Zurrwinkeln und Belastbarkeit aller Komponenten ab. Eine pauschale Zahl an Gurten ohne Berechnung oder geeignete Verladeanweisung ist nicht zuverlässig.

Verantwortung von Absender und Frachtführer

§ 22 StVO verlangt, Ladung und Ladeeinrichtungen so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, rollen oder herabfallen können. § 412 HGB ordnet im Regelfall dem Absender das beförderungssichere Laden, Stauen und Befestigen zu; der Frachtführer hat für die betriebssichere Verladung zu sorgen. Vertrag, tatsächliche Aufgabenverteilung und Einzelfall bleiben entscheidend.

Prüfung vor der Abfahrt

  1. Fahrzeug, Aufbau, Ladefläche und Zurrpunkte auf Eignung prüfen.
  2. Gewicht und Schwerpunkt sowie Achslasten planen.
  3. Verpackung und Ladeeinheit auf Stabilität kontrollieren.
  4. Ladelücken vermeiden oder fachgerecht ausfüllen.
  5. Sicherungsmittel auswählen, berechnen und korrekt anbringen.
  6. Beschädigte oder nicht gekennzeichnete Mittel aussortieren.
  7. Nach kurzer Fahrstrecke und bei Teilentladung erneut prüfen.
Beispiel: Eine Palette mit glatter Unterseite steht auf einer glatten Ladefläche. Zwei Gurte wirken ohne ausreichende Vorspannung kaum. Antirutschmaterial kann die Reibung verbessern, ersetzt aber nicht automatisch die erforderliche Sicherung gegen Kippen und Verschieben.
Praxis-Tipp: Erstellen Sie für wiederkehrende Güter bebilderte Verladeanweisungen mit Lastfall, Hilfsmitteln, Anzahl, Position und zulässigem Zustand. Unterweisung und Kontrolle bleiben erforderlich.

Hilfsmittel und verwandte Begriffe

Zum Einsatz kommen Spanngurte, Ketten, Netze, Antirutschmatten, Kantenschutz, Sperrbalken, Keile und Füllmittel. Die Auswahl richtet sich nach Gut und Fahrzeug. Bei überstehender Ladung sind zusätzlich die Regeln zum Überhang zu beachten.

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