Leerfahrt in der Logistik: Ursachen, Kosten & Vermeidung

Zuletzt fachlich geprüft: 9. August 2026

Eine Leerfahrt ist eine Fahrt ohne beförderte Nutzladung. Das Fahrzeug bewegt sich dennoch, verursacht also Fahrzeit, Personal-, Energie-, Maut- und Verschleißkosten, ohne in diesem Abschnitt Transportleistung für eine Sendung zu erbringen.

Definition: Als Leerfahrt gilt ein Fahrabschnitt, auf dem ein Transportmittel keine transportierte Ware trägt. Leerfahrten können vor einer Abholung, nach einer Zustellung, zwischen Aufträgen oder durch Rückführung an einen Standort entstehen.
Kennzahl
Leerkilometeranteil
Folge
Kosten ohne Nutzlast
Hebel
Rückladung und Netzplanung

Warum entstehen Leerfahrten?

  • unausgeglichene Warenströme zwischen Regionen,
  • fehlende oder zeitlich unpassende Rückladung,
  • Spezialfahrzeuge, die nur für bestimmte Güter geeignet sind,
  • enge Liefertermine, die keinen Zwischenauftrag erlauben,
  • Standortwechsel, Werkstatt- oder Reinigungsfahrten,
  • kurzfristige Stornierung oder Annahmeverweigerung,
  • rechtliche oder vertragliche Einschränkungen.

Wie wird die Leerfahrtenquote berechnet?

Eine einfache Formel lautet: Leerkilometer ÷ gesamte Fahrzeugkilometer × 100. Die Bezugsgröße muss einheitlich sein. Bei wechselnden Aufliegern oder Teilentladungen kann zusätzlich eine Auslastungskennzahl nach Gewicht, Volumen oder Lademetern sinnvoll sein.

Beispiel: Ein Lkw fährt 420 km beladen zum Empfänger und 80 km leer zur nächsten Abholung. Bei insgesamt 500 km beträgt der Leerkilometeranteil 16 %. Die 80 km sind nicht kostenlos: Fahrerzeit, Diesel oder Strom, Reifen und Kapitalbindung fallen weiter an.

Maßnahmen zur Reduzierung

Maßnahme Wirkung
Rückladung planen kombiniert Hin- und Rückstrom
Aufträge regional bündeln verkürzt Wege zwischen Entladung und neuer Beladung
Frachtenbörsen und Partnernetze erweitern das verfügbare Auftragsangebot
Flexible Zeitfenster erhöhen Kombinationsmöglichkeiten
Trailer-Pooling entkoppelt Zugmaschine und Ladeeinheit
Datenanalyse zeigt wiederkehrende Leerfahrtkorridore

Nicht jede Leerfahrt ist vermeidbar

Bei Tank-, Kühl-, Entsorgungs- oder Baustellenverkehren fehlt häufig ein kompatibler Rückstrom. Auch Reinigung, Hygiene, Gefahrguttrennung oder die Positionierung vor einem zeitkritischen Auftrag können eine Leerfahrt erforderlich machen. Ziel ist daher nicht pauschal null Prozent, sondern die wirtschaftlich und betrieblich vermeidbaren Kilometer zu reduzieren.

Praxis-Tipp: Erfassen Sie Leerfahrten nach Ursache. Nur so lässt sich unterscheiden, ob Disposition, Vertriebsnetz, Fahrzeugtyp oder Kundenzeitfenster der wirksamste Hebel ist.

Abgrenzung

Eine geringe Auslastung ist nicht automatisch eine Leerfahrt: Befindet sich noch eine Sendung im Fahrzeug, ist der Abschnitt beladen, aber möglicherweise schlecht ausgelastet. Verwandte Begriffe sind Disposition, Frachtenbörse und FTL.

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"