Milliarden-Deal: Uber kauft Delivery Hero

Uber plant die vollständige Übernahme von Delivery Hero. Dafür bietet der US-Konzern den Aktionären 41,50 Euro je Aktie. Der Berliner Lieferkonzern wird dadurch mit rund 12,7 bis 13 Milliarden Euro bewertet. Uber will mit dem Kauf neue Märkte erschließen und seine internationale Lieferplattform deutlich vergrößern. Allerdings steht der Zusammenschluss noch unter Vorbehalt. Aktionäre, Behörden und Wettbewerbshüter müssen den Deal prüfen. Zudem sollen mehrere überschneidende Landesgeschäfte vor der Übernahme verkauft werden. Für den weltweiten Markt der Essenslieferdienste könnte die Transaktion zu einem Wendepunkt werden.

Milliarden-Deal: Uber kauft Delivery Hero
Milliarden-Deal: Uber kauft Delivery Hero

Das Wichtigste in Kürze

  • Uber bietet den Delivery-Hero-Aktionären 41,50 Euro in bar je Aktie.
  • Der Übernahme wird ein Unternehmenswert von rund 12,7 bis 13 Milliarden Euro zugeschrieben.
  • Uber hatte sich schon vor dem Angebot einen erheblichen wirtschaftlichen Zugriff auf Delivery-Hero-Aktien gesichert.
  • Geschäfte in 14 überschneidenden Märkten sollen für rund 1,4 Milliarden Euro verkauft werden.
  • Der Abschluss wird erst nach Zustimmung der Aktionäre und Behörden erwartet.

Übernimmt Uber Delivery Hero bereits endgültig?

Nein. Uber hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Delivery Hero angekündigt. Der Kauf ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Zunächst müssen ausreichend Aktionäre das Angebot annehmen. Außerdem stehen kartellrechtliche Prüfungen und weitere Bedingungen aus. Als geplanter Abschlusszeitraum gilt die zweite Hälfte des Jahres 2027.

Kerndaten des Milliarden-Deals Angaben
Käufer Uber Technologies
Übernahmeziel Delivery Hero SE
Angebot je Aktie 41,50 Euro
Angegebener Eigenkapitalwert rund 12,7 bis 13 Milliarden Euro
Wert in US-Dollar etwa 14,8 Milliarden US-Dollar
Geplante Verkäufe Geschäfte in 14 Märkten
Erlös aus den Verkäufen rund 1,4 Milliarden Euro
Voraussichtlicher Abschluss zweite Jahreshälfte 2027
Hauptsitz von Delivery Hero Berlin

So ist der Milliarden-Deal zwischen Uber und Delivery Hero aufgebaut

Uber will Delivery Hero über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot kaufen. Die Aktionäre sollen 41,50 Euro in bar für jeden Anteilsschein erhalten. Auf Basis sämtlicher Aktien entspricht das laut Uber einem Eigenkapitalwert von etwa 14,8 Milliarden US-Dollar. Umgerechnet liegt die Bewertung je nach Wechselkurs bei rund 12,7 bis 13 Milliarden Euro. Der Betrag fällt niedriger aus, wenn die bereits von Uber erworbenen Beteiligungen berücksichtigt werden. Uber beziffert den bereinigten Wert deshalb auf rund 13,7 Milliarden US-Dollar. Das Angebot richtet sich grundsätzlich an alle Delivery-Hero-Aktionäre. Damit ist es kein einfacher Kauf einzelner Aktienpakete, sondern der Versuch einer vollständigen Konzernübernahme.

Der Preis von 41,50 Euro liegt über den Kursen, zu denen die Aktie vor den konkreten Übernahmespekulationen gehandelt wurde. Reuters nennt einen Aufschlag von rund 34 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der drei Monate vor Bekanntwerden der fortgeschrittenen Gespräche. Gegenüber dem Schlusskurs unmittelbar vor der offiziellen Ankündigung fällt der Aufschlag dagegen deutlich kleiner aus. Das liegt daran, dass der Kurs bereits auf die Übernahmegerüchte reagiert hatte. Noch im Mai soll Uber zunächst 33 Euro je Aktie in Aussicht gestellt haben. Dieses indikative Angebot führte jedoch nicht direkt zu einer Einigung. Danach verbesserten sich die Konditionen erheblich.

Für den Vollzug gilt zudem eine Mindestannahmeschwelle. Mehr als die Hälfte der relevanten Delivery-Hero-Aktien muss dem Angebot zugerechnet werden können. Uber hat sich allerdings schon vor dem öffentlichen Angebot eine starke Ausgangslage verschafft. Der Konzern kaufte Aktien und schloss weitere Vereinbarungen mit Großaktionären. Dadurch soll Uber bereits Zugriff oder wirtschaftliche Ansprüche auf mehr als 53 Prozent der Anteile besitzen. Dennoch bleiben rechtliche Bedingungen bestehen. Auch die Zustimmung der Kartellbehörden ist nicht automatisch garantiert.

Warum Delivery Hero für Uber besonders attraktiv ist

Delivery Hero gehört zu den größten Essenslieferplattformen der Welt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Berlin. Sein operativer Schwerpunkt liegt jedoch längst außerhalb Deutschlands. Besonders stark ist der Konzern in Asien, im Nahen Osten, in Afrika und in Teilen Europas vertreten. Zu den bekannten Beteiligungen und Marken gehören unter anderem Talabat, HungerStation, Baemin und Glovo. Uber würde mit dem Kauf daher sofort Zugang zu zahlreichen Märkten erhalten. Ein vergleichbarer organischer Aufbau würde viele Jahre dauern und enorme Investitionen verlangen.

Delivery Hero bringt außerdem lokale Marken mit hoher Bekanntheit mit. Das ist in der Lieferbranche ein wichtiger Vorteil. Kunden bestellen häufig über Apps, die in ihrer Region bereits etabliert sind. Auch Restaurants, Supermärkte und Fahrer sind an bestehende Plattformen gebunden. Uber müsste diese Beziehungen bei einem eigenen Markteintritt zunächst mühsam aufbauen. Durch die Übernahme erhält der Konzern dagegen vorhandene Netzwerke, Technologien und Kundendaten. Dadurch steigt die Chance, neue Leistungen schneller anzubieten.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi würdigte vor allem die führenden Marktpositionen von Delivery Hero. Er verwies dabei auf die attraktiven lokalen Marken und die Präsenz in schnell wachsenden Liefermärkten. Delivery-Hero-Mitgründer Niklas Östberg bezeichnete die Kombination ebenfalls als strategisch passend. Nach seiner Einschätzung ergänzen sich die globale Uber-Plattform und die lokale Lieferexpertise von Delivery Hero. Besonders wichtig ist dabei das sogenannte Quick Commerce. Darunter fällt die schnelle Lieferung von Lebensmitteln, Haushaltsartikeln und anderen Waren des täglichen Bedarfs.

Welche Rolle Uber Eats bei der Übernahme spielt

Uber ist längst nicht mehr nur ein Fahrdienstvermittler. Mit Uber Eats betreibt der Konzern eine internationale Lieferplattform für Restaurants und Händler. Deshalb überschneiden sich die Geschäfte von Uber und Delivery Hero in mehreren Ländern. Besonders sichtbar ist die Konkurrenz in Polen, Portugal, Spanien und Schweden. Beide Plattformen vermitteln dort Bestellungen und organisieren Lieferungen. Ein Zusammenschluss könnte die Zahl der großen Wettbewerber erheblich verringern. Genau darin liegt eines der wichtigsten regulatorischen Probleme des Deals.

Strategisch würde Uber durch Delivery Hero seine beiden wichtigsten Geschäftsbereiche enger verbinden. Nutzer könnten Fahrten, Restaurantbestellungen und Einkäufe über dieselbe Plattform buchen. Auch Fahrer ließen sich je nach Nachfrage flexibler einsetzen. In ruhigen Zeiten könnten sie Lieferaufträge übernehmen. Bei hoher Nachfrage nach Fahrten könnten sie wieder stärker im Mobilitätsgeschäft arbeiten. Damit würde Uber seine Plattform besser auslasten. Zugleich könnten gemeinsame Bezahlsysteme, Mitgliedschaften und Werbeangebote entstehen.

Die Größenordnung der geplanten Verbindung ist außergewöhnlich. Nach Reuters würde die kombinierte Plattform in 99 Ländern tätig sein. Das gemeinsame Bruttowarenvolumen soll auf Basis des Jahres 2025 rund 236 Milliarden US-Dollar erreichen. Allerdings umfasst diese Kennzahl nicht nur den Umsatz des Konzerns. Sie beschreibt vielmehr den Gesamtwert der über die Plattformen abgewickelten Transaktionen. Trotzdem zeigt sie die wirtschaftliche Reichweite der Verbindung. Außerhalb Chinas könnte dadurch die größte kombinierte Mobilitäts- und Lieferplattform der Welt entstehen.

Warum mehrere Lieferdienste vor dem Kauf verkauft werden

Die größte Hürde für die Übernahme dürfte das Wettbewerbsrecht sein. Uber Eats und Delivery Hero sind in verschiedenen Ländern direkte Konkurrenten. Würden beide Angebote vollständig zusammengeführt, könnte die Auswahl für Verbraucher und Restaurants sinken. Zudem könnte der neue Konzern eine stärkere Position bei Gebühren, Provisionen und Lieferbedingungen erhalten. Deshalb sollen mehrere Geschäftsbereiche bereits vor dem eigentlichen Vollzug verkauft werden. Diese Maßnahme soll die Bedenken der Wettbewerbshüter reduzieren.

Nach den bestätigten Plänen betrifft der Verkauf insgesamt 14 Märkte. Dazu gehört auch der türkische Lieferdienst Yemeksepeti. Außerdem sollen weitere Geschäfte in Europa und Südamerika abgegeben werden. Als Käufer ist die US-amerikanische Investmentgesellschaft SSW Partners vorgesehen. Der vereinbarte Verkaufspreis liegt bei rund 1,4 Milliarden Euro. Die betroffenen Landesgesellschaften sollen damit außerhalb des künftigen Uber-Konzerns weitergeführt oder später erneut verkauft werden.

Dieser Schritt ist jedoch keine Garantie für eine Genehmigung. Kartellbehörden prüfen nicht nur direkte Überschneidungen. Sie untersuchen auch die langfristige Marktmacht einer Plattform. Dabei spielen Kundendaten, Fahrerzugang und Restaurantnetzwerke eine wichtige Rolle. Ebenso relevant ist die Frage, wie leicht neue Konkurrenten in den Markt eintreten können. In digitalen Plattformmärkten können starke Netzwerkeffekte den Wettbewerb erschweren. Daher könnten Behörden weitere Auflagen verlangen oder einzelne Märkte besonders intensiv untersuchen.

Was die Übernahme für Deutschland und Berlin bedeutet

Delivery Hero ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Berlin. Im deutschen Bestellmarkt ist der Konzern jedoch seit Jahren nicht mehr in seiner früheren Form aktiv. Die bekannten Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora wurden an Just Eat Takeaway verkauft. Deshalb betrifft die Übernahme deutsche Verbraucher zunächst weniger direkt als Kunden in anderen Ländern. Trotzdem hat der Deal eine große Bedeutung für den deutschen Wirtschaftsstandort. Schließlich handelt es sich um die Übernahme eines der bekanntesten Berliner Technologieunternehmen.

Uber hat zugesagt, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin zu erhalten. Auch die Belegschaft soll mindestens bis 2029 geschützt werden. Damit will der US-Konzern offenbar politische und gesellschaftliche Bedenken begrenzen. Zusätzlich kündigte Uber Investitionen von zwei Milliarden Euro in Deutschland bis 2031 an. Diese Zusagen könnten Arbeitsplätze, Technologieentwicklung und neue Dienstleistungen betreffen. Konkrete Einzelheiten zu allen geplanten Investitionen liegen jedoch noch nicht vollständig vor.

Der Berliner Standort könnte innerhalb des Konzerns eine wichtige Rolle behalten. Delivery Hero verfügt dort über Erfahrung in Plattformtechnik, Logistik und internationaler Expansion. Dieses Wissen ist für Uber wertvoll. Dennoch besteht nach einer Übernahme grundsätzlich die Gefahr, dass doppelte Strukturen zusammengelegt werden. Das betrifft etwa Verwaltung, Marketing, Datenanalyse oder Einkauf. Die Arbeitsplatzgarantie bis 2029 schafft daher zunächst Sicherheit. Was danach mit einzelnen Bereichen geschieht, dürfte von der Integration und der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen.

Welche Folgen der Deal für Kunden, Restaurants und Fahrer haben kann

Für Kunden könnte der Zusammenschluss zunächst mehr Auswahl innerhalb einer Plattform bringen. Uber könnte Fahrten, Essen, Lebensmittel und weitere Waren stärker miteinander verbinden. Gemeinsame Abonnements wären ebenfalls denkbar. Nutzer könnten dadurch Rabatte oder geringere Liefergebühren erhalten. Zudem könnte die Lieferabdeckung in einigen Regionen wachsen. Allerdings entstehen Vorteile nicht automatisch. Weniger Konkurrenz kann langfristig auch höhere Preise oder schlechtere Konditionen begünstigen.

Restaurants könnten von einer größeren Reichweite profitieren. Über eine gemeinsame Plattform wären potenziell mehr Kunden erreichbar. Zugleich könnte die technische Integration Bestellungen, Werbung und Zahlungsabwicklung vereinfachen. Doch auch hier gibt es Risiken. Ein sehr großer Plattformbetreiber besitzt eine stärkere Verhandlungsposition. Dadurch könnten Provisionen und Werbekosten stärker vom Plattformkonzern bestimmt werden. Kleinere Restaurants wären dann möglicherweise noch abhängiger von einem einzigen Vermittler.

Für Fahrer und Kuriere könnte die Plattform mehr Aufträge bereitstellen. Eine Verbindung von Personenbeförderung und Warenlieferung kann Leerlauf reduzieren. Gleichzeitig können automatisierte Systeme den Arbeitsdruck erhöhen. Fahrer werden bereits heute über Algorithmen gesteuert und bewertet. Ein größerer gemeinsamer Datenbestand könnte diese Kontrolle weiter verstärken. Deshalb werden auch Arbeitsbedingungen, Bezahlung und sozialrechtliche Fragen relevant bleiben. Der Deal ist somit nicht nur eine Finanztransaktion, sondern verändert möglicherweise den Alltag vieler Plattformbeschäftigter.

Der oft übersehene Kern des Deals: Daten statt nur Lieferungen

Ein wenig beachteter Blickwinkel betrifft den Wert der gesammelten Daten. Uber kauft mit Delivery Hero nicht nur Lieferfahrer, Apps und bekannte Marken. Der Konzern erhält auch Einblicke in das Konsumverhalten von Millionen Nutzern. Bestellzeiten, Lieblingsgerichte, Wohnorte und Preisempfindlichkeit lassen sich miteinander verknüpfen. Hinzu kommen Mobilitätsdaten aus dem bisherigen Uber-Geschäft. Daraus kann ein besonders genaues Bild des städtischen Alltags entstehen.

Diese Daten könnten künftig für personalisierte Angebote genutzt werden. Ein Nutzer könnte etwa nach einer Fahrt zum Hotel automatisch Restaurantvorschläge erhalten. Nach einer Fahrt nach Hause könnte die App passende Lebensmittel oder Abendessen anbieten. Restaurants könnten Werbung gezielter an bestimmte Kundengruppen ausspielen. Auch Liefergebühren lassen sich dynamisch an Nachfrage und Standort anpassen. Dadurch entsteht ein Geschäftsmodell, das weit über klassische Essenslieferungen hinausgeht.

Gleichzeitig wächst die Verantwortung beim Datenschutz. Große Datenbestände erhöhen die Attraktivität für Cyberangriffe. Zudem müssen Nutzer nachvollziehen können, wofür ihre Informationen eingesetzt werden. Behörden könnten daher nicht nur den Wettbewerb prüfen. Auch Datenschutz und algorithmische Entscheidungen dürften an Bedeutung gewinnen. Der wahre strategische Wert von Delivery Hero liegt somit teilweise in der Verbindung von Mobilitäts-, Einkaufs- und Lieferdaten. Genau diese Kombination könnte Uber langfristig zu einer zentralen digitalen Infrastruktur für den städtischen Alltag machen.

Fazit: Uber greift nach dem Liefermarkt

Die geplante Übernahme von Delivery Hero ist weit mehr als ein spektakulärer Milliarden-Deal. Uber sichert sich starke Marken, neue Regionen und Millionen zusätzlicher Kunden. Doch der Kauf ist noch nicht abgeschlossen. Vor allem die Kartellbehörden dürften genau hinsehen. Verkäufe in 14 Märkten sollen den Weg zur Genehmigung ebnen. Gelingt der Zusammenschluss, entsteht ein mächtiger Plattformkonzern für Fahrten, Essen und Einkäufe. Für Kunden kann das bequem werden. Für Wettbewerb, Restaurants und Fahrer beginnt jedoch eine neue Phase.

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