Durchlaufzeit: Berechnung, Bestandteile & Verkürzung

Zuletzt fachlich geprüft: 9. August 2026

Die Durchlaufzeit ist die Zeitspanne, die ein Auftrag, Material oder eine Sendung benötigt, um einen klar abgegrenzten Prozess vollständig zu durchlaufen. Sie enthält nicht nur aktive Bearbeitung, sondern auch Warte-, Liege-, Transport- und Prüfzeiten.

Definition: Durchlaufzeit = Endzeitpunkt minus Startzeitpunkt eines definierten Prozesses. Damit Werte vergleichbar sind, müssen Start, Ende, Kalender, Unterbrechungen und betrachtete Einheit eindeutig festgelegt sein.
Einheit
Minuten, Stunden oder Tage
Enthält
Bearbeiten und Warten
Ziel
schneller, stabiler Materialfluss

Aus welchen Zeiten besteht die Durchlaufzeit?

Zeitanteil Beispiel
Bearbeitungszeit Kommissionieren, Verpacken oder Montieren
Transportzeit Bewegung zwischen Lagerzonen oder Standorten
Prüfzeit Qualitäts-, Mengen- oder Dokumentenkontrolle
Wartezeit Auftrag wartet auf Personal, Maschine oder Freigabe
Liegezeit Material steht zwischen zwei Prozessschritten
Rüstzeit Arbeitsplatz oder Anlage wird vorbereitet

In vielen Prozessen ist die wertschöpfende Bearbeitung nur ein kleiner Teil der gesamten Durchlaufzeit. Große Verbesserungen entstehen deshalb oft durch weniger Warten und kleinere Übergabestapel, nicht durch schnelleres Arbeiten an einem einzelnen Schritt.

Berechnung mit Beispiel

Beispiel: Ein Lagerauftrag wird Montag um 08:00 Uhr freigegeben und Dienstag um 10:00 Uhr versandbereit gemeldet. Die kalendarische Durchlaufzeit beträgt 26 Stunden. Davon entfallen vielleicht nur 55 Minuten auf Kommissionierung, Kontrolle und Verpackung; der Rest ist Liege- und Wartezeit.

Für eine belastbare Kennzahl sollte festgelegt werden, ob Wochenenden, Nachtstunden und Zeiten einer bewussten Kundensperre mitgezählt werden. Median und Perzentile sind zusätzlich zum Durchschnitt sinnvoll, weil einzelne Ausreißer den Mittelwert stark verändern können.

Durchlaufzeit, Lieferzeit und Transitzeit

  • Durchlaufzeit: gesamter definierter interner oder übergreifender Prozess.
  • Lieferzeit: Zeit von Bestellung oder Auftrag bis zur Lieferung; kann Beschaffung und Bearbeitung enthalten.
  • Transitzeit: Zeit der Beförderung zwischen zwei Verkehrspunkten.
  • Bearbeitungszeit: nur der aktiv ausgeführte Anteil.

Wie lässt sich die Durchlaufzeit verkürzen?

  1. Engpass und Warteschlangen mit Zeitstempeln sichtbar machen.
  2. Aufträge kleiner und häufiger freigeben statt in großen Wellen.
  3. Übergaben, Freigaben und doppelte Prüfungen reduzieren.
  4. Material, Daten und Verpackung vor Prozessbeginn vollständig bereitstellen.
  5. Layout und Laufwege verbessern.
  6. Ausnahmen automatisiert priorisieren, ohne den Standardfluss zu stören.
Praxis-Tipp: Optimieren Sie nicht nur den Durchschnitt. Eine kurze, aber stark schwankende Durchlaufzeit erschwert Zusagen und Kapazitätsplanung. Messen Sie daher auch Termintreue und Streuung.

Zusammenhang mit Bestand und Service

Lange Durchlaufzeiten binden Material und erhöhen den Umlaufbestand. Gleichzeitig müssen Kunden länger auf Ware warten. Eine Verkürzung kann Bestand, Fläche und Kapitalbedarf senken – vorausgesetzt, sie wird nicht durch zusätzliche Sonderfahrten oder Qualitätsfehler erkauft. Verwandte Prozesse sind Kommissionieren, Fulfillment und Nachschub.

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