Lieferschein: Pflichtangaben, Funktion & Prüfung

Fachlich geprüft: August 2026

Ein Lieferschein dokumentiert, welche Waren in welcher Menge an einen Empfänger geliefert werden. Er erleichtert Wareneingang, Mengenprüfung und Zuordnung zu Bestellung oder Auftrag. In Deutschland besteht für gewöhnliche Lieferungen keine allgemeine Pflicht, stets einen Lieferschein auszustellen; Vertrag, Branche oder besondere Waren können ihn dennoch verlangen.

Kurzdefinition: Der Lieferschein ist ein Warenbegleit- oder Lieferdokument. Er ist weder automatisch Rechnung noch rechtssicherer Beweis für mangelfreie Ablieferung.
ZweckWaren- und Mengenabgleich
FormPapier oder digital
ReferenzenBestellung, Auftrag, Lieferung, Packstücke

Welche Angaben gehören auf einen Lieferschein?

  • Aussteller und Lieferempfänger mit Anschrift,
  • Lieferscheinnummer und Ausstell-/Lieferdatum,
  • Bestell-, Auftrags- oder Kundenreferenz,
  • eindeutige Artikelbezeichnung und Artikelnummer,
  • gelieferte Menge und Mengeneinheit,
  • Anzahl und Art der Packstücke oder Ladungsträger,
  • Teil-, Rest- oder Rückstandsmengen,
  • gegebenenfalls Chargen, Seriennummern und Palettentausch.

Lieferschein, Rechnung und Abliefernachweis

Dokument Hauptfunktion
Lieferschein Inhalt und Umfang der Warenlieferung
Rechnung Abrechnung mit steuerlich erforderlichen Angaben
Frachtbrief Angaben zum Beförderungsvertrag und transportierten Gut
Abliefernachweis/POD Dokumentation von Zeitpunkt und Annahme der Ablieferung
Wareneingangsprotokoll interne Prüfung von Menge, Zustand und Qualität
Unterschrift richtig einordnen: Eine Empfangsunterschrift bestätigt regelmäßig zunächst die Übernahme. Ob sie auch Menge, Zustand oder Mangelfreiheit beweist, hängt von Text, Prüfungsmöglichkeit und Umständen ab. Sichtbare Schäden und Fehlmengen sollten konkret vermerkt werden.

Ablauf im Wareneingang

  1. Lieferadresse, Bestellung und Referenzen abgleichen.
  2. Packstückzahl vor dem Öffnen zählen.
  3. sichtbare Schäden fotografieren und auf dem Nachweis vermerken.
  4. Artikel, Mengen, Charge und Seriennummer gegen Lieferschein prüfen.
  5. Abweichungen eindeutig als Fehl-, Mehr- oder Falschlieferung erfassen.
  6. Wareneingang im ERP buchen und Dokument revisionssicher zuordnen.

Digitaler Lieferschein

Ein digitaler Lieferschein kann als PDF, EDI-Nachricht oder strukturierter Datensatz bereitgestellt werden. Entscheidend sind eindeutige Identität, Lesbarkeit, Zugriff für die Beteiligten und eine nachvollziehbare Version. Ein bloßes Foto ohne Referenz und Integrität erschwert spätere Prüfung.

Aufbewahrung

Ein Lieferschein kann aufbewahrungspflichtig werden, wenn er als Buchungsbeleg dient oder für das Verständnis eines Geschäftsvorfalls erforderlich ist. Wurden alle Angaben vollständig in eine Rechnung übernommen und hat das Dokument keine weitere Belegfunktion, kann die Einordnung anders ausfallen. Unternehmen sollten ihre Verfahrensdokumentation und steuerlichen Vorgaben prüfen, statt Lieferscheine pauschal zu vernichten.

Praxisbeispiel

Bestellt sind 100 Bauteile auf vier Paletten, geliefert werden 96 auf drei Paletten. Der Empfänger vermerkt die tatsächliche Menge und Palettenzahl, fotografiert die Übergabe, quittiert nicht pauschal „vollständig“ und meldet die Differenz mit Bestell- und Lieferscheinnummer.

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